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Al-Gazuli

Hinweisungen zur Wohltätigkeit

Wien, Österreichische Nationalbibliothek, Cod. Vindob. Mixt. 1876, 17. Jh.

Ausstellungsstück nur € 750,00 (inkl. Mwst.)

Zu den am häufigsten kopierten und gelesenen arabischen Schriften religiösen Inhalts gehören die Dala il al-hayrat, die Hinweisungen zur Wohltätigkeit.

Al-Gazuli, beim Berberstamm der Gazula im marokkanischen Sus geboren und aufgewachsen, studierte zunächst in seiner Heimat und ging dann nach Fez, wo er in die Madrasat assafarin eintrat, und schrieb mit Dala il al-hayrat die bekannteste seiner mystischen Schriften.

Das Werk selbst ist in seinem Stil einzigartig. Es ist in gereimter Prosa verfasst, wobei die fortlaufenden Wiederholungen von Satzteilen innerhalb der einzelnen Abschnitte auffallen. Durch sie entsteht der Eindruck, der Text sei für eine bestimmte Rezitationsform konzipiert worden. Dies lag wohl auch in der Absicht des Autors, denn an einer Stelle heißt es, er habe die Wiederholungen eingesetzt, „um dem Leser das Auswändiglernen zu erleichtern“. Bis heute wird an Wochenenden oder religiösen Festtagen aus diesem Gebetbuch gemeinsam im Chor – laut und ohne Pause – gelesen. Der zu Beginn des Vortrages ruhige Rhythmus steigert sich langsam und erreicht in den letzten Versen seinen Höhepunkt.

Von der überaus großen Beliebtheit der Dala il al-hayrat zeugt nicht nur ihre Verwendung bis in die heutige Zeit, sondern auch die Anfertigung zahlreicher Abschriften des Gebetbuches. Nahezu alle Bibliotheken im Orient und in Europa besitzen eine oder mehrere Fassungen dieses Werkes. Wohlhabende Muslime ließen prachtvoll ausgestattete Exemplare der Handschrift herstellen. Eines der schönsten von ihnen ist der Codex in Wien, der vermutlich einem Sippenoberhaupt in Gambia oder Mauretanien gehört hat.

Das vollständig erhaltene Gebetbuch gibt den arabischen Text in einer im Westen entwickelten späten Magribi-Schrift wieder. Ihr kalligraphischer Reiz liegt in den exakten Formen der Schriftzeichen, aber auch in der Verwendung von farbiger – schwarzer, goldener, roter, grüner und blauer – Tinte.

Das Schriftfeld der Textseiten wird jeweils von einem goldenen und einem blauen Balken gerahmt. Daneben finden sich zahlreiche Zierseiten, die mit geometrischen und floralen Schmuckformen, Arabesken und Ranken in den verschiedensten Farben kunstvolle Akzente setzen. Der feine Duktus von Schrift und Ornamentik deutet auf einen geübten Künstler hin, der in Erfüllung seines Auftrages eines der schönsten Beispiele nordafrikanischer Buchkunst schuf.

Faksimile, Einband und Kommentar

Graz 1987. Vollständige farbige Faksimile-Ausgabe der 318 Blatt im Originalformat 114 x 114 mm. Arabischer Text in Magribi-Schrift. Zahlreiche Zierseiten mit geometrischen und floralen Schmuckformen. Einband: Leder, nach orientalischem Vorbild. Kommentarband: T. Al Samman, Wien. Einband: hart gebunden. Faksimile und Kommentar in einer Kassette.

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